Walk-In bei Lidl auf der LMV

11.06.2006: Beim ersten diesjährigen Kongress der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen vom 24.-26. März in Oldenburg debattierten die Mitglieder über "ihre” Stadt der Zukunft, beschäftigten sich mit Konsum, wählten die IGEL-Redaktion und den neuen Landesvorstand.

Am Freitag, den 28. März trafen sich die meisten Mitglieder der GJN bereits am späten Nachmittag zum Landeskongress "Wie willst du leben?" in der Oldenburger Jugendherberge, deren verwinkelte Architektur den später Ankommenden noch Probleme bereitete, denn sie bekamen nicht mit, wo der Frühstücksraum war. Die Organisatoren des Kongress sorgten nämlich erst einmal für das leibliche Wohl der Teilnehmer. Vegetarisches Essen stimmte alle zufrieden (und wen nicht, der7die äußerte zumindest seinen /ihrenUnmut nicht). Nach der Begrüßung durch den Landesvorstand (LaVo) trafen sich parallel die IGEL-Schreibwerkstatt und die Ortsgruppen (zwecks Vernetzung), sowie Leute, die an der Funktionsweise der Homepage interssiert waren. Als ich selber um 22.30 Uhr ankam, lief bereits der Film "The Corporation" in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Sehr informativ! Deshallb wurde er auf dem BuKo nochmal gezeigt...Niedersachsen setzt Akzente. Ein schöner Abend, den wir locker ausklingen ließen.

Am nächsten Tag stand die vom LaVo angeregte und von attac organisierte KonsuMensch-Tour durch Oldenburg an. Wir wissen nun, dass eine Jeans ziemlich viele Länder sieht, ehe sie bei New Yorker oder H&M verkauft wird.

Bäuerin beim Pflücken der Kakaobohnen

Trotz der Transportkosten ist dieses Verfahren gewinnbringend für die Konzerne, da die Näherinnen schlecht bezahlt werden und teilweise unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten. Eine weitere Station war der "Eine Welt"-Laden, vor dessen Eingang uns die Unterschiede in der Erlösverteilung aus Schokolade bei fair gehandelten Riegeln im Gegensatz zu herkömmlichen verdeutlicht wurden. Die letzte Station verdeutlichte die Armutsspirale in währungsschwachen Ländern durch AnlegerInnen, die mit dem Devisenhandel Gewinn machen: Die einheimischen Banken verweigern wegen der Abwertung der eigenen Währung neue Kredite beziehungsweise fordern noch ausstehende Kredite zurück, um ihre eigenen Reserven zu decken (Jede Bank muss dauerhaft eine gewisse Menge an Bargeld bereit halten, um die Inflation zu verhindern). Damit wird der einheimischen Bevölkerung häufig jegliche die Existenzgrundlage entzogen.

Um 14 Uhr endlich starteten wir in die kreative Arbeit. Insgesamt standen vier Workshops zur Auswahl: Demografischer Wandel und Projektmanagement sowie Kommunalwahlkampf, dessen Schwerpunkt die Behandlung des Leitantrags "Stadt der Zukunft" war. Zu guter Letzt referierte Peter Franielzcyk von der Gewerkschaft ver.di über die Lidl-Kampagne.

Solche Männer profitieren von der Ausbeutung der Beschäftigten

Peter hatte einige Exemplare des zur Kampagne herausgegebenen Schwarzbuch dabei (in Anspielung auf den Lidl-Besitzer Dieter Schwarz), er erzählte von abstoßenden, diskriminierenden Gegebenheiten in einer tschechischen Filiale, in der Frauen, die ihre Periode hatten, rote Stirnbänder tragen mussten, er klärte uns darüber auf, dass die Medien aus Angst darüber, Anzeigenpartner zu verlieren, kaum über die Kampagne berichten und machte uns klar, wie menschenverachtend Lidl insgesamt und besonders beim Rausschmiss mit den eigenen MitarbeiterInnen umgeht, er sensibilisierte uns also für das Thema. Eine angeregte Debatte entstand aus dem neugewonnen Wissen heraus, und den Überlegungen, was dagegen getan werden kann, folgte die spontane Entscheidung, noch am selben Tag eine Aktion gegen Lidl zu starten. Mittlerweile waren auch manche TeilnehmerInnen der anderen Workshops bei uns eingetrudelt. Der Rest wurde beim Abendessen informiert, und nach der Vorbereitung eines Flyers machten ca. 50 Leute beim Walk-In des nächsten Lidls mit: Aus allen Ecken schallten die Sünden des Lidl-Konzerns, wie zum Beispiel, "Lidl verhindert die Gründung von Betriebsräten!". Viele von uns leisteten in Gesprächen mit Lidl-KundInnen weitere Aufklärungsarbeit, aber manchen reichte auch das noch nicht. Sie stürmten den Laden erneut, diesmal mit einem Boykottlied auf den Lippen: "Wehrt euch! Leistet Widerstand! Kauft doch nicht bei Lidl!" Durch dieses Erfolgserlebnis hatte mich die GJN bereits bei meiner ersten Kongressteilnahme vollends für sich eingenommen!

Kaum zurück in der Jugendherberge, trafen sich auch schon die Landesarbeitskreise. Anschließend ging es weiter mit der Vorstellung der Leitanträge. Schwerpunkte lagen dabei auf den Themen "Stadt der Zukunft" und der Kommunalwahl 2006. Besonders als mögliche BürgerInnenbeteiligungsformen angesprochen wurden, bestand Gesprächsbedarf: Die Vor- und Nachteile von der Planungszelle oder des BürgerInnen- und Beteiligungshaushalts wurden beleuchtet und von Ole Hilbrich, dem Änderungsantragssteller erklärt. Auf der bis in die Morgenstunden dauernden Party mit einer extra für den Kongress engagierten Band amüsierten sich alle sehr, einzig in die öffentliche Location, in die wir hinterher gingen, kamen manche leider nicht mehr rein. Doch die Jüngeren waren wenigstens am nächsten Morgen fit genug, um für das Frühstück rechtzeitig aufzustehen. Die Herbergsleute zeigten sich unerweichlich und räumten pünktlich das Essen ab.Einige waren deshalb sicherlich noch hungrig als die Versammlung begann. Wir debattierten erneut die Leitanträge, wählten einen neuen Landesvorstand und die IGEL-Redaktion.

Wiebke Clark, 20, ist Koordinatorin des IGEL und engagiert sich in der GRÜNEN JUGEND Peine.

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