Spring um deine Bildung
19.08.2007: Ein Bericht über die Landesmitgliederversammlung in Braunschweig
Auf der erstmalig in Braunschweig stattfindenden LMV der Grünen Jugend Niedersachsen vom 13.-15.4.07 diskutierten die Mitglieder über ihre eigenen Vorstellungen von einem demokratischen, sozialverträglichen Schulsystem und wählten ihren neuen Landesvorstand.
Am Tag der Ankunft fanden sich die junggrünen AktivistInnen in der zwar kleinen, aber gemütlichen und lecker verköstigenden Neustadtmühle ein. Und schon bald nach den freudvoll-euphorischen kleinen Wiedersehensumarmungen der dort zusammentreffenden Menschen wurde sich in Männlein und Weiblein aufgeteilt, um über Emanzipation zu reden. In dieser sehr produktiven Runde wurde die Frauenquote in ihrer existenten Form kritisiert und stattdessen eine strikte Trennung in 50/50 Mann/Frau vorgeschlagen. Zudem kam nach kurzer Zeit der Wunsch nach einem Frauenseminar auf, welches das Problem des mangelnden Engagement der Frauen in höheren Ämtern der Politik von der psychologischen Seite aufarbeiten sollte. Es wurden u.a. Rhetorrikkurse für dieses Seminar vorgeschlagen, um das Selbstvertrauen der Frauen zu stärken, in einen Wettbewerb treten zu können. Diesem Vorschlag des Seminares nahmen sich spontan zwei weibliche Mitglieder an, es wurde hier außerdem eine Kandidatin für den LaVo gewonnen. Die Männer wollten die Frauenquote aufrecht erhalten.
Über die Ergebnisse wurde sich natürlich anschließend in großer Runde ausgetauscht, dann trafen die verschiedenen Landesarbeitskreise zusammen und die Mitglieder konnten sich in ihren jeweiligen präferierten Thematiken mit anderen MitstreiterInnen und deren Meinungen aus einander setzen. Mit exzessiven Tänzen in einer nahe gelegenen Begegnungsstätte, die eine Mischung aus Kneipe und Disko darstellte, klang der Abend aus.
Der Samstagmorgen begann mit Workshops zur Vorbereitung auf den Leitantrag. Einer befasste sich mit der möglichen Auflösung des Förderschulensystems, stattdessen sollten deren SchülerInnen in eine integrative Gesamtschule übernommen werden. Um die Einschränkungen körperlich Behinderter nachempfinden zu können, bekamen wir Seh-,Hör,-und Armeinschränkungsger äte angeboten, die wir zun ächst während eines Films über eine integrierte Förderklasse anbehielten, aufgrund der aufkommenden Emotionen aber recht schnell wieder abnehmen mussten. Anschließend besprach die Gruppe ihre Eindrücke. Der Referent stellte verschiedene Arten des Umgangs mit Behinderten vor: Seperativ, integrativ und eine dritte Methode, die das Zie der völligen Gleichstellung von Nichtbehinderten und Behinderten hat.
Hochmotiviert erarbeiteten wir dann eine spektakuläre, publikumsanziehende, waghalsige Aktion: Die jungen Grü- nen erarbeiteten die Hindernisse der Menschen auf dem Weg zur Bildung. Diese malten sie auf Schilder, klebten diese Schilder auf die Hürden und sprangen letztendlich in der Stadt mal mehr, mal minder erfolgreich über diese Hindernisse. Die Menge der Zuschauer vermehrte sich stets, einige Kinder halfen uns freiwillig, das Schauspiel zu einem tatsächlichen Wettbewerb auszudehnen. Wir hatten Spaß, das Publikum auch.
Doch der Tag war noch nicht zu Ende. Nach einer Podiumsdiskussion zum Thema frühkindliche Bildung wurde endlich der Leitantrag “Lasst die Toleranzen tanzen“ vorgestellt. Dessen Inhalt stellt das Modell eines sozialen und demokratischen, integrierten Gesamtschulsystems dar, in dem alle Menschen (behindert, nicht behindert, immigriert, einheimisch, gut oder schlecht) voneinander und miteinander lernen sollen und ein Mitbestimmungsrecht in der Gestaltung ihrer Schule erhalten. Außerdem wird eine Entwicklung des bisher auf den Unterricht beschränkten „Lernort“ Schule zum Freizeittreffpunkt der SchülerInnen angestrebt. Kultur und Schule lässt sich für uns nicht trennen.
Einige spannende Diskussionen um die mögliche Ersetzung des Pflichtfachs Religion und um die Pflichtintegration von Behinderten in die IGS folgten, letztendlich wurde der Antrag angenommen. Das wurde im hauseigenen Partyraum mit DJ Moe und guter Musik und super Stimmung ordentlich gefeiert. Geniale Abrundung des interessanten Abends. Am nächsten Morgen wurden neue, wenn auch etwas müde, aber motivierte Menschen in den Landesvorstand, die IGEL-Redaktion und den Bundesausschuss sowie ein Schiedsgericht gewählt und einige letzte Anträge verabschiedet.
Gwen Buttersack, 17, ist aktiv in der GJ Braunschweig






