Angst vor der Asse bleibt bestehen

28.09.2007: In Niedersachsens Südosten befindet sich ein einsturzgefährdetes Atommüllendlager, das mit Wasser volläuft. Zum bisherigen Plan, das Lager Asse II mit einer Schutzflüssigkeit zu verschließen, gibt es keine Alternative, sagen zwei Experten, die das Bundesforschungsministerium am Mittwoch eingeladenen KommunalpolitikerInnen in Braunschweig präsentierte. Vorwürfe, das Prüfverfahren sei intransparent, konnten nicht ausgeräumt werden.

Förderturm des Salzbergwerkes Asse

Vor dem Hotel Mercure, gegenüber des Braunschweiger Hauptbahnhofs, protestiere ich mit AtomkraftgegnerInnen gegen die Geheimsniskrämerei der Verantwortlichen. Veranstaltungen wie diese können ein atomrechtliches Verfahren, in dem die Öffentlichkeit beteiligt werden müsste, nicht ersetzen, so die InitiatorInnen des Protests. Untersetzte und geschniegelte, aber nach eigener Aussage "genauso besorgte” Anzugträger der CDU werfen den AtomkraftgegnerInnen Inkompetenz vor, laden uns aber zur Teilnahme am "Dialog mit der Wissenschaft” ein.

"Maßstäbe eines atomrechtlichen Verfahrens”

Immerhin: Staatssekretär Meyer-Krahmer kündigt vor versammelten MandatsträgerInnen aus der Region, Land- und Bundestag, eine Beteiligung der Öffentlichkeit inklusive der Möglichkeit gegen gefällte Entscheidungen zu klagen, an. Bei der Umweltverträglichkeitsprüfung sollen auch die Alternativen auf den Tisch kommen. Doch technische Hoffnungen, den Atommüll zurückzuholen, macht sich eigentlich kaum niemand, so das Ministerium.

"Wir haben nur noch 7 Jahre. Eine Rückholung birgt größere Gefahren.”

Dieser Meinung sind auch die präsentierten Experten Michael Sailer vom Ökoinstitut in Darmstadt und Dieter Rittscher, der für die Energiewerke Nord den Rückbau mehrerer Atomkraftwerke organisiert. Alles scheint am bisher unter Verschluss gehaltenen "Leipziger Gutachten” zu hängen, das für das einsturzgefährdete Bergwerk höchstens Stabilität bis 2014 garantiert. Eine Rückholung des Mülls, der in den 1970er Jahren scheinbar achtlos in die Schächte gekippt wurde, kann bis zu 40 Jahre dauern, so Rittscher. Diese Alternative würde zunächst auch eine höhere Strahlenbelastung, vor allem des Personals, bedeuten. "Der Schacht müsste offen bleiben”, so Sailer. Er vertritt die Position, dass parallel zum Fortgang der Verfüllung nach Alternativen gesucht werden müsse. Die Betreibergesellschaft GSF prognostizierte, dass auch nach 23.000 Jahren die Strahlenbelastung nicht ein akzeptables Maß überschreiten wird.

Die MandatsträgerInnen sind sauer

In der anschließenden Diskussion platzt einigen anwesenden PolitikerInnen der Kragen: Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Stefan Wenzel, betrachtet die Aussage der GSF als wertlos. Wie sollen wir der Aussage der GSF für die nächsten 23.000 Jahre glauben, wenn die Betreibung von Asse II in den letzten 30 Jahren schon lauter unvorhergesehene Probleme aufgeworfen hat? Auch die Glaubwürdigkeit der Transparenzbemühungen erscheint vielen nicht gegeben. Die Behauptung, es gäbe keine Experten, die das Leipziger Gutachten über die Stabilität des Berwerks überprüfen könnten, ist eine Unverschämtheit. "Das Gutachten muss morgen auf den Tisch!” Sogar ein Landtagsabgeordneter der CDU fühlt sich in der Veranstaltung unwohl: "Ihre Aussagen, warum keine Experten für die Rückholung aussagen, überzeugen mich nicht. Wie sollen wir uns da eine Meinung bilden?”

"Wir werden alle verrecken!”

"Die tappen alle im Dunkeln”, die Alternative sei einzig, in Zukunft die Finger von Atomkraft zu lassen, so die Schlussfolgerung besorgter BürgerInnen nach der Veranstaltung. Und so lautet auch mein Fazit: Asse II gibt Anlass zu größter Sorge für unsere Gesundheit und unser Leben. Vertrauen in die BetreiberInnen, die für die Unsicherheit der Anlage verantwortlich sind, ist nicht möglich. Alle Unterlagen müssen endlich sofort der Öffentlichkeit und kritischen WissenschaftlerInnen zur Verfügung gestellt werden. Und eine Wiederholung in Gorleben und Schacht Konrad muss aufs Entschiedenste bekämpft werden!

Ole Hilbrich ist IGEL-Redakteur und legt mit seinem Umzug von Braunschweig nach Bremen vielleicht wertvolle Kilometer zwischen sich und das "abgesoffene” Endlager in der Asse.

Asse II - Eine Katastrophe bahnt sich an!

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